Aktuelles aus der Arche Zürich

Papa trinkt – Mama trinkt

Geschrieben von Rainer Fröhlich | 10.04.2026

Papa trinkt – Mama trinkt. Unter diesem Titel fand im März die nationale Aktionswoche für Kinder von Eltern mit Suchterkrankung statt. Auch die Arche Für Familien engagierte sich mit einer Lesung ausgewählter Kinderbücher.

Das Programm der von «Sucht Schweiz» koordinierten Aktionswoche war überaus vielfältig. Workshops, Filmvorführungen, Pausenaktionen in Schulen und vieles mehr gab es zu besuchen und erleben. Die Nationale Aktionswoche soll dazu beitragen, dass die breite Bevölkerung aufmerksam auf die Situation von Kindern suchtkranker Eltern gemacht wird und dass sich Fachleute dafür einsetzen, dass diese Kinder die Unterstützung erhalten, die sie benötigen. Die «DiskuTafel Zürich» und mit ihr, als deren Mitglied, die Arche Für Familien, organisierte eine Lesung von Kinderbüchern.

«Kleine Bücher – grosse Geschichten»: Lesung ausgewählter Kinderbücher
In der Buchhandlung Never Stop Reading präsentierte die Leseanimateurin Sibylle Künzle Bücher für Kinder ab drei Jahren bis zur 3. Klasse vor und setzte Impulse aus der Gesundheitsförderung. Im Mittelpunkt standen Selbstwirksamkeit, der Umgang mit Gefühlen, Vielfalt und innere Ressourcen – kindgerecht und alltagsnah vermittelt. Der Anlass richtete sich an Eltern, Bezugs- und Fachpersonen. Die Arche für Familien ist seit rund sieben Jahren Kerngruppenmitglied der Arbeitsgruppe «Kinder aus sucht- und psychisch belasteten Familien» (DiskuTafel Zürich). Diese Gruppe organisiert regelmässig Anlässe verschiedener Art und leistet Vernetzungsarbeit unter Institutionen, die Kinder und Familien unterstützen, die Probleme wegen der elterlichen Sucht haben.

  

Buchtipps von Mitarbeitenden der Arche Für Familien
Auch in der Arche Für Familien ist die Nutzung von Kinderbüchern ein wichtiger Bestandteil bei der Arbeit mit Betroffenen. Kinderbücher können dabei helfen, Kindern auf kindgerechte Weise zu vermitteln, was mit ihren Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen «los» ist, wenn eine Suchterkrankung vorliegt. Bilder, Figuren und Geschichten helfen beim Benennen und Einordnen von Gefühlen. Bewältigungsstrategien der dargestellten Figuren und Alltagssituationen werden erkennbar gemacht, über die man gemeinsam sprechen kann. Betroffene Eltern ihrerseits können durch solche Bücher Sicherheit im Umgang mit Fragen zu ihrer Sucht zu gewinnen oder erfahren, wie sie mit ihrem Kind oder ihren Kindern altersgerechte und entlastende Gespräche führen.

Drei Mitarbeiterinnen der Arche Für Familien stellten je ein Buch vor, das ihnen persönlich empfehlenswert erscheint:

Titel / Author:in / Verlag

Inhalt

Empfehlung unserer Mitarbeitenden

Boby

In der Geschichte vom kleinen Hund Boby und dem suchtkranken Fred wird der Alltag von Kindern, die mit einem psychisch kranken Elternteil leben, erzählt. Boby denkt, dass er schuld ist, wenn Fred ihn abweist, wütend wird oder sich nicht um ihn kümmert. Der Nachbarshund Felix hilft Boby auf kindsgerechte Weise, zu verstehen, was Alkohol ist und was mit Fred los ist.

«Ich empfehle die Geschichte von Boby so gern, weil sie sich besonders für kleine Kinder gut eignet.»

Nicole Burgermeister -Psychotherapeutin, Co-Betriebsleiterin

Sonnige Traurigtage / Schirin Homeier / Mabuse-Verlag

Ein einfühlsames Buch über das Mädchen Mona, deren Mutter an einer psychischen Erkrankung leidet. Mona versucht zunächst, ihre eigenen Gefühle zu unterdrücken und für ihre Mutter da zu sein, lernt aber, dass sie keine Schuld trägt und Hilfe von aussen wichtig ist.

Das Buch behandelt wichtige Fragen, die Kinder in ähnlichen Situationen haben könnten, wie: Was ist eine psychische Erkrankung? Bin ich schuld daran? Wer kann Mama oder Papa helfen? Mit wem kann ich reden? Es richtet sich vor allem an Kinder ab sieben Jahren sowie an Bezugspersonen, die sie in solchen Situationen unterstützen möchten.

«Ich empfehle «Sonnige Traurigtage», weil es auf einfühlsame Weise viele Facetten des Lebens mit psychisch kranken Eltern in einer Geschichte vereint. Betroffene Familien können sich darin wiedererkennen, und das Buch kann dabei helfen, mit Kindern ins Gespräch zu kommen und offen über Gefühle und Sorgen zu reden.»

Stéphanie Birrer - Sozialarbeiterin FH

 

Gibt es Pflaster für die Seele? / Dagmar Geisler / Loewe Verlag

Für Kinder ab fünf Jahren geeignet zum Erklären und Begleiten von psychischen Erkrankungen.

Das Bilderbuch bietet Unterstützung beim Erklären, warum Seelen krank werden können. Anhand von Kurztexten zeigt es auf, wie vielfältig sich psychische Erkrankungen zeigen und welche Wirkungen sie auf das familiäre Umfeld haben können. Es greift die kindliche Perspektive auf und gibt Impulse, was Kinder für ihren eigenen Ausgleich tun können.

«Ich ziehe das Bilderbuch gerne während Beratungen bei, da es vielfältig und den familiären Lebenssituation angepasst, einsetzbar ist. Je nach Setting können einzelne Seiten oder Buchabschnitte verwendet und mit den Kindern besprochen werden. Es behandelt Fragestellungen welche Kinder oft beschäftigen, wie beispielsweise «Bin ich vielleicht schuld, dass Papa krank geworden ist, weil ich so oft krach mache?» Oder «Darf ich wütend sein, weil alles so schwierig ist?».»

Simone Heiniger - Sozialpädagogin HF

 

Kinderbücher, die an der Lesung «Kleine Bücher – grosse Geschichten» vorgestellt wurden:

Titel

Author:in

Verlag

da sein – WAS FÜHLST DU?

Kathrin Schärer

Hanser

Das Farbenmonster

Anna Llenas

Velber

KLEINER DRACHE – GROSSE WUT

Robert Starling

Esslinger

Alle? NICHT ALLE

Kathrin Schärer

Hanser

DIE KLEINE RITTEREULE

Christopher Denise

Fischer Sauerländer

Sag, wer willst Du heute sein?

Lisa Ryf