Die Arche Zürich bietet allen Mitarbeitenden alle zwei Jahre die Möglichkeit, in einen anderen Betrieb hineinzuschnuppern. Für einen Tag habe ich deshalb meinen Arbeitsplatz in der Kommunikation verlassen und mich auf den Weg ins Wohnhaus Wollishofen gemacht.
Während der Zugfahrt mit Blick auf den Zürichsee war ich gespannt, welche Aufgaben auf mich warten würden. Beim Seitenwechsel geht es nicht nur darum, zuzuschauen, sondern auch aktiv mitanzupacken. Gleichzeitig erhält man einen Einblick in den Arbeitsalltag der Kollegen und Kolleginnen und ich lerne Menschen kennen, denen ich sonst im Berufsalltag kaum begegnen würde. In meinem Fall waren das die Bewohner:innen des betreuten Wohnens in Wollishofen.
Mit etwas Verspätung und einem kräftigen Regenschauer im Rücken kam ich in Wollishofen an. Umso mehr freute ich mich darüber, dass die Haltestelle praktisch direkt vor der Haustür liegt. Zum Einstieg gab es einen Kaffee, einen kurzen Austausch mit dem Team und eine Führung durch die Räumlichkeiten im Erdgeschoss. Einige Bewohner:innen waren zunächst etwas zurückhaltend. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde waren die Berührungsängste jedoch schnell verschwunden.
Gemeinsam kochen und den Alltag teilen mit Bewohner:innen
Ich habe mich besonders über meine Aufgabe gefreut: Gemeinsam mit Michael durfte ich das Mittagessen für alle vorbereiten. Mir war bereits vorab verraten worden, dass er als bester Koch im Haus gilt.
Um 9.30 Uhr setzten wir uns zusammen und besprachen das Menü. Michael entschied sich für Pouletgeschnetzeltes mit Champignonrahmsauce und Reis. Zum Glück liess sich beim Online-Rezept die Anzahl Portionen anpassen. Für so viele Personen hätte ich die Mengen selbst kaum berechnen können. Nachdem Michael das Einkaufsgeld von Karin erhalten hatte, machten wir uns mit dem Einkaufstrolley auf den Weg zum Supermarkt. Spontan schloss sich uns ein weiterer Bewohner an, der seine persönlichen Einkäufe erledigen wollte. Der gemeinsame Einkauf war ein idealer Einstieg. Wir kamen schnell ins Gespräch und beide erzählten mir von ihrem Alltag und den Veränderungen im neuen Wohnhaus. Sie schätzen besonders, dass die Wege zum Einkaufen in Wollishofen deutlich kürzer sind als früher im Wohnhaus Waid.
Zurück im Wohnhaus wurde gerüstet, geschnippelt und gekocht. Während wir arbeiteten, unterhielten wir uns angeregt. Immer wieder schaute jemand neugierig in die Küche und wollte wissen, was wir Feines zum Zmittag zubereiten.
Kurz vor Mittag wurde ich nervös. Der Salat war zwar vorbereitet, doch die Salatsauce fehlte noch. Als ich fragte, ob wir eine fertige Sauce aus dem Kühlschrank verwenden sollten, kam die Antwort sofort: «Nein, die meisten mögen es lieber frisch zubereitet.» Also machte sich Michael gleich daran.
Während ich unruhig auf die Uhr schaute, blieb Michael völlig entspannt. Um 11.50 Uhr standen das Pouletgeschnetzelte, die Pilzrahmsauce und der Reis bereit. Die ersten Bewohner:innen standen bereits im Esszimmer und freuten sich schon auf das Mittagessen.
Mittagessen als verbindender Moment im Wohnhaus
Als um 12.05 Uhr die ersten Teller geschöpft wurden, war ich erleichtert. Wir hatten es rechtzeitig geschafft. Michael hatte die Situation von Anfang an gelassener eingeschätzt als ich. Nach dem Essen kann ich das nur bestätigen: Michael ist tatsächlich ein hervorragender Koch. Ob er der Beste im Haus ist? Dazu müsste ich nochmal vorbeikommen, wenn jemand anderes kocht. Besonders berührt hat mich das gemeinsame Mittagessen. Fast alle sassen zusammen am grossen Tisch. Die Atmosphäre war herzlich und das Miteinander war deutlich spürbar.
Der Vormittag verging wie im Flug. Ich habe den Austausch mit den Bewohner:innen sehr geschätzt und mich gefreut, einen Einblick in eine andere Arbeitswelt zu erhalten.