Vor 20 Jahren...
«Vor 20 Jahren war das Nachhaltigkeitsthema gesellschaftlich noch an einem anderen Ort als heute». Einer der dienstältesten Mitarbeitenden der Arche Zürich hat im Dezember 2025 sein 20-jähriges Jubiläum feiern können. Roger Notter ist Betriebsleiter vom Arche Brockenhaus & Bistro und Mitglied der Geschäftsführung der Arche Zürich und blickt im Gespräch auf zwei Jahrzehnte Erfahrung zurück.
Du bist lange dabei, 20 Jahre. Wie bist du zur Arche gekommen?
«Ich kannte das Brocki, weil ich damals in Altstetten wohnte. Als die Stelle als Betriebsleiter im Arche Brockenhaus ausgeschrieben wurde, habe ich mich beworben. Ich arbeitete bereits in der Arbeitsintegration und weil ich das Arbeitsfeld gut fand, war das eine tolle Gelegenheit.»

Wie sah es hier aus, als du angefangen hast?
«Zürich Altstetten war und ist natürlich immer noch ein Entwicklungsgebiet. Vor 20 Jahren gab es viel Industrie und Gewerbe, etwa die alte Labitzkefabrik mit ihren Zwischennutzungen. Es war lange Subkultur hier und bei uns auf dem Areal. Es gab einen Schuppen, welchen wir als Küche benutzten, die Brockihalle und das Geschäftshaus standen bereits. Und damals schon wurde täglich ein frisch gekochtes Menu angeboten, das man dann auf dem Tablett ins Brocki mitnehmen und dort essen konnte. Seit der Eröffnung des Bistros im Jahr 2010 müssen unsere Gäste zum Glück nicht mehr bei Wind und Wetter über den Hof laufen.» (lacht)
Was schätzt du an deinem Beruf?
«Es ist ein spannender Job. Das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Handeln und sozialem Auftrag ist geblieben und genau das gefällt mir. Ich finde es wertvoll, mit Teilnehmenden zu arbeiten, die aktuell keine Arbeit haben und wieder Tritt fassen möchten. Dieser soziale Auftrag ist zentral für uns. Gleichzeitig fördern wir Nachhaltigkeit und setzen bewusst ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft. Das schätzen auch unsere Kund:innen – heute mehr denn je.»
Hat sich die Kundschaft im Brocki über die Jahre verändert?
«Früher kamen viele armutsbetroffene Menschen, aber auch Händler:innen. Diese Gruppen gibt es nach wie vor, doch die Kundschaft ist deutlich diverser geworden. Viele Menschen kommen heute bewusst zu uns, weil sie nachhaltig einkaufen möchten. Umweltbewusstsein und ein ressourcenschonender Lebensstil haben an Bedeutung gewonnen. Vor 20 Jahren war das Nachhaltigkeitsthema gesellschaftlich noch an einem anderen Ort als heute. Das findet heute eine viel grössere Resonanz und das merken wir deutlich.»
Gibt es neue Ideen, die bei dir und in deinem Team brodeln?
«In Skandinavien boomen ‹Shop-in-Shop›-Ideen, die wir sehr spannend finden. Solche Ansätze werden wir in Zukunft sicher mehr sehen. Brockenhäuser sind quasi Vollsortimentläden, entsprechend gross sind die Möglichkeiten. Aktuell entstehen im Team konkrete Ideen, bei denen das Mitgestalten eine zentrale Rolle spielt. Mitbestimmung möchten wir vermehrt weiter fördern.»
Wo holst du dir Ausgleich von der Arbeit?
«Ausgleich gibt mir meine Familie, Reisen und Sport. Ich konnte immer 80 Prozent arbeiten, da bin der Arche sehr dankbar. Als unsere zwei Söhne älter wurden, gab es dann auch mal einen zusätzlich freien Tag. » (lacht)
Roger, herzlichen Dank für das aufschlussreiche Gespräch. Wir freuen uns auf weitere Jahre mit dir.