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Bindeglied zwischen Arbeitsmarkt und Menschen

Die Mitarbeitenden der SVA Zürich tragen entscheidend dazu bei, dass eine berufliche Wiedereingliederung gelingt. Mit viel Feingefühl finden sie die passende Institution – und damit den Arbeitsplatz, der jemanden zurück ins Arbeitsleben bringt.

Jasmin Spillmann, Fachexpertin Eingliederung bei der IV-Stelle der SVA Zürich, hat sich den Fragen der Arche Zürich gestellt. Im Interview erklärt sie, wie dieser sensible Prozess abläuft und welche besonderen Herausforderungen ihre Arbeit – und die ihrer Kolleg:innen – im Alltag prägen.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob eine versicherte Person für einen IV-Arbeitsplatz in einem der Betriebe der Arche Zürich infrage kommt.
Wir versuchen, für unsere Kund:innen immer den möglichst zu ihrer Situation passenden Einsatzplatz zu finden. Die Kriterien sind:
- Körperliche und psychische Eignung für einen Einsatzplatz
- wird ein passendes Aufbauprogramm angeboten
- wann kann der Platz angetreten werden 
- Anreiseweg zum Einsatzplatz
Diese Liste ist nicht abschliessend und die Gewichtung dieser Themen je nach Situation verschieden. 

Können Sie den Prozess einer Zuweisung kurz beschreiben? Mit wem haben Sie in welcher Form Kontakt?
In der Regel schlagen wir den Kund:innen nach dem Erstgespräch zwei verschiedene Einsatzplätze vor. Der Erstkontakt erfolgt telefonisch über die im IVSK (IV-Stellen-Konferenz) Partner Management aufgeführte Kontaktperson. In diesem Gespräch klären wir die wichtigsten Rahmenbedingungen (zum Beispiel freie Plätze und Eignung). Nach einem Kennenlerngespräch entscheidet der:die Kund:in, welcher Anbieter berücksichtigt wird. Wir koordinieren anschliessend telefonisch oder per E-Mail die genauen Rahmenbedingungen für die Massnahme und erstellen die Kostengutsprache.

Wie lange bleibt eine Person an einem IV/IM-Arbeitsplatz?
Ziel ist, unsere Kund:innen innert angemessener Frist wieder erfolgreich in den ersten Arbeitsmarkt integrieren zu können. Die Eingliederungsmassnahmen sind daher immer an eine bestimmte Dauer geknüpft. Ein Aufbautraining dauert sechs Monate. Eine Verlängerung kann bei Bedarf geprüft werden. Allerdings gibt es auch gesetzliche Fristen. Integrationsmassnahmen dürfen beispielsweise nicht länger als ein Jahr dauern und können nur in Ausnahmefällen um höchstens ein weiteres Jahr verlängert werden. Die Dauer des Arbeitsversuchs ist gesetzlich ebenfalls auf 180 Tage begrenzt. 

Welche Rolle spielen Motivation und Stabilität der versicherten Person im Zuweisungsentscheid – und wie gut lassen sich diese im Vorfeld überhaupt einschätzen?
Das sind wohl die zwei entscheidenden Faktoren in der beruflichen Wiedereingliederung. Wir versuchen, in einem persönlichen Erstgespräch und im Austausch mit den Ärtzten und/oder Therapeut:innen diese Faktoren möglichst gut zu erfassen. Schlussendlich sind wir aber sehr auf die realistische Einschätzung der Institution als Einsatzplatz, des Integrations-Coaches vor Ort  oder auf die Einschätzung von Arbeitgebern angewiesen, da sie unsere Kund:innen über einen längeren Zeitraum intensiver begleiten. 

Nur enger Austausch aller Beteiligten bringt Erfolg

Bleiben Sie nach der Zuweisung mit der Person im Austausch und was sind übliche Rückmeldungen etwa aus der Arche Zürich?
Der Austausch findet nach der Zuweisung primär über den Integrationscoach am Einsatzplatz  statt. Bei Bedarf stehen wir auch im Austausch mit den Kund:innen. Das kommt auch auf die Bedürfnisse des:der Kund:in an. Die Rückmeldungen zur Massnahme schauen wir unter anderen gerne persönlich an, sei es bei einem telefonischen Kontakt oder im Abschlussgespräch.

Wie wichtig ist die enge Zusammenarbeit zwischen zuweisender Stelle, Einsatzort und versicherter Person – und wo erleben Sie in der Praxis die zentralen Herausforderungen?
Sehr ausschlaggebend, damit Veränderungen oder Schwierigkeiten schon früh erkannt und gemeinsam Lösungen erarbeitet werden können. Deswegen stehen wir in regelmässigem Austausch mit dem Einsatzort, respektive dem Coach. Wir bitten die Verantwortlichen – etwa der Arche Zürich – und unsere Kund:innen, uns über Veränderungen umgehend zu informieren. Wichtig finden wir aber auch die Zusammenarbeit zwischen Einsatzort und Behandler:in (Arzt/Therapeut:in); hier besteht sicher noch Potenzial.

Wo sehen Sie die grössten Hürden für IV-Versicherte beim (Wieder-)Einstieg in die Arbeitswelt?
Es gibt verschiedene Einflussfaktoren wie zum Beispiel:
- gesundheitliche Situation und Belastbarkeit der einzugliedernden Person
- fehlende passende Arbeitsplätze und Flexibilität
- gesundheitsbedingte Lücken im beruflichen Werdegang der Person
- komplexe Koordination zwischen den Beteiligten
- teils Vorbehalte und mangelnde Sensibilisierung von Arbeitgebern

Was kann eine Institution wie die Arche besonders gut auffangen, was im ersten Arbeitsmarkt oft schwierig ist?
Wo möglich möchten wir unsere Kund:innen direkt wieder im ersten Arbeitsmarkt aufbauen. Das steht bei uns im Fokus. Wir machen gute Erfahrungen zum Beispiel mit Aufbautrainings im ersten Arbeitsmarkt und stellen auch fest, dass ein direkter Einstieg auch dem Wunsch unserer Kund:innen entspricht. 
Dennoch gibt es Ausgangslagen, in denen ein Einstieg im zweiten Arbeitsmarkt sinnvoller ist. Wir schätzen dann die engmaschige Betreuung, die Erfahrung im Umgang mit gesundheitlichen Einschränkungen, das Vorhandensein von angepassten Arbeitsplätzen und die Flexibilität der Arche.

Woran erkennen Sie, dass eine Platzierung erfolgreich verläuft – und ab wann würden Sie sagen: Hier braucht es (falls möglich) eine Kurskorrektur, ein neuer Arbeitsplatz?
- Die vereinbarten Ziele werden erfüllt.
- Präsenz und Leistungsfähigkeit können schrittweise und wie vereinbart aufgebaut 
     werden.
-    Die Kund:innen sind gesundheitlich stabil, haben keine oder nur wenige Ausfälle, und 
     fühlen sich wohl.
-    Die Rückmeldungen sind von allen Seiten deckungsgleich.
Falls diese Punkte nicht erfüllt sind, suchen wir frühzeitig das Gespräch mit dem:der Kund:in, dem Einsatzplatz,  und bei Bedarf der betreuenden Fachperson. Oft können wir dann die Ursache herausfinden und mögliche Lösungen besprechen.

Die Arbeit der Zuweisenden bleibt auch in Zukunft wichtig

Gibt es typische Missverständnisse oder falsche Erwartungen gegenüber IV-Arbeitsplätzen, denen Sie immer wieder begegnen?
Manche Kund:innen gehen davon aus, dass es im ersten Arbeitsmarkt fixe IV-Arbeitsplätze gibt, die wir rasch vermitteln können. So einfach ist es leider nicht. 
In Bezug auf Arbeitsplätze bei Institutionen haben viele Bedenken, dass die Arbeiten für sie zu niederschwellig sind.

Welche Entwicklungen oder Veränderungen beobachten Sie aktuell im Bereich der beruflichen Integration von IV-Versicherten?
Wichtige Themen der IV sind und bleiben im Jahr 2026:
- Eingliederung von jungen Personen mit psychischen Erkrankungen
- Massnahmen im ersten Arbeitsmarkt priorisieren

Was wünschen Sie sich von Einsatzinstitutionen wie der Arche, um Zuweisungen künftig noch passgenauer und nachhaltiger zu gestalten?
Für die Zuweisung an einen Arbeitsplatz im ersten Arbeitsmarkt ist ein engmaschiges und realistisches Job-Coaching sehr hilfreich. Wir benötigen eine arbeitsmarktnahe und realistische Einschätzung der Situation. 

Die Arche Zürich bedankt sich herzlich bei Jasmin Spillmann für dieses interessante Gespräch und die Einblicke in eine anspruchsvolle Tätigkeit. Mit ihrer Arbeit unterstützt die SVA Menschen auf ihrem Weg zurück in einen geregelten Arbeitsalltag.

Interview-SVA
Trotz Hindernissen den Weg schaffen – mit gezielterUnterstützung gelingt der Wiedereinstieg.